Gegenwart und Zukunft!

Gegenwart und Zukunft!

Feuerwehr - Geschichte mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft!

Wer hundert Jahre alt ist, kann erzählen, hat gelernt und will verändern.

Im Landkreis Uelzen unterscheidet sich das Feuerwehrwesen von einst und heute bei genauer Betrachtung immens. Traditionelle Ortsverbundenheit und die Tatsache, dass Feuerwehrzugehörigkeit zumindest für Hausbesitzer zum guten Ton gehört, sind Feuerwehradjektive aus dem vorigen Jahrhundert. Die Zeit der trinkfreudigen Honoratioren-Feuerwehr ist ebenso vorbei wie die männliche Monokultur bei den Einsatzkräften. Auch wenn in jüngster Zeit Heimatgefühl und Geborgensein laut aktueller Shellstudie insbesondere bei jungen Menschen wieder eine Rolle spielen, hat sich das Feuerwehrwesen inkl. Menschen, Technik und Einsatzspektrum im Landkreis Uelzen - in einem ländlich strukturierten Gebiet – stark verändert.

Die Anforderungen des Einzelnen am „Freizeitvergnügen Feuerwehr" sind rasant gestiegen – die Psyche belastende Einsätze, der Umgang mit Hightechgeräten in Stresssituationen, digitale Alarmierungstechniken, moderne Menschenführung und mittlerweile auch Qualitätssicherung sorgen dafür. Wie selbstverständlich werden den Feuerwehrführungskräften immer häufiger Managementfähigkeiten in Verbindung mit mordernster Kommunikationstechnik abverlangt.

Den wachsenden Herausforderungen stehen sinkende Finanzhaushalte, ein geringes Zeitbudget für Fortbildung und die immer kleiner werdende Humanressource Mensch gegenüber. Zum viel zitierten demografischen kommt der soziale Wandel unserer Gesellschaft hinzu. All dies trifft die noch traditionelle Feuerwehr zusätzlich und sorgt für Umstrukturierung. Das geht freilich nicht von heute auf morgen. Es ist vielmehr ein schleichender und für Außenstehende unsichtbarer Prozess.

Konkrete Zukunftsfragen werden immer lauter: Wie muss die strategische Ausrichtung der Feuerwehr künftig aussehen? Was ist bezahlbar und ehrenamtlich noch machbar? Wie lange kann ich Feuerwehrmänner und

–frauen noch an Dienste binden? Ist projektbezogenes und zeitlich begrenztes Arbeiten künftig die Lösung? Fragen, die sich die Verantwortlichen der Feuerwehren ebenso stellen müssen wie die Menschen in der Öffentlichkeitsarbeit. Sie sind es, die mit „Storys aus dem Feuerwehrleben" die Mitbürger und die Gesellschaft für die Belange der Feuerwehrzukunft sensibilisieren sollen und müssen. Moderne Feuerwehrführungskräfte haben sich längst von verkrusteten Führungsmustern verabschiedet und gelernt, Lobbyarbeit zu leisten. Fördervereine werden gegründet und Feuerwehrjugendarbeit forciert. Letzteres sollte künftig auch in den kommunalen Haushalten eine Rolle spielen. Die Jugendarbeit der Feuerwehr gilt als eine der besten im Land.

Eine Zukunftsanforderung an die Feuerwehr lautet, neue Andockpunkte zu entwickeln. Es gilt, die Bürger dort abzuholen, wo sie gesellschaftlich, beruflich und familiär stehen, vielleicht künftig sogar fachliches Know-how von Nichtfeuerwehrleuten als sog. Fachberater einbinden.

Die nächste Frage: Müssen Feuerwehrleute heute noch alles können? Kann man Ehrenamtliche noch zur alles könnenden, „Eier legenden Wollmilchsau" ausbilden? - und das bei dem Anspruch, die umfangreiche feuerwehrtechnische Ausbildung ständig zu aktualisieren? Konsequenz: Vielleicht ist dann künftig auch nicht mehr überall Feuerwehr drin, wo Feuerwehr draufsteht. Klar ist jedoch, dass Veränderungen unvermeidlich sein werden.

Der Kreisfeuerwehrverband Uelzen wird im Jahre 2008 hundert Jahre alt - ein Jubiläum mit historischen Hintergründen, Anekdoten, Berichten von Zeitzeugen und dem immer noch aktuellen Appell „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr". In diesem Sinne haben sich nur die Rahmenbedingungen der Feuerwehr verändert, nicht aber die Grundidee - und das ist gut so! Dieses Heft soll Sie einladen zum Mitfeiern und Ihnen einen groben Überblick in die Historie, Gegenwart und Zukunft der Feuerwehren des Landkreises Uelzen geben.

(L. Franke)