Wie alles begann
Wie alles begann
Gegründet wurde der Kreisfeuerwehrverband in der von Feuerwehrhauptmann Wilhelm Laudahn, Uelzen, einberufenen Versammlung am 28. Juni 1908 im Central-Hotel Uelzen. Lesen Sie dazu Auszüge aus Protokollbüchern (kursiv: Originaltexte) und kleine Episoden aus der Entstehungsgeschichte.
Der Vorstand des KFV von 1908:
Laudahn Uelzen Vorsitzender
Kadow Uelzen Schriftführer
Kuhlmann Uelzen Kassenführer
Challoil Ebstorf Beisitzer
Kummer Bevensen Beisitzer
Kophal Lehmke Beisitzer
Schorkopf Bodenteich Beisitzer
Schulz Rätzlingen Beisitzer
Heitsch Suderburg Beisitzer
Das Protokollbuch Nr. 2 des Kreisfeuerwehrverbandes (KFV) beginnt mit einem Übertrag aus dem Protokollbuch Nr. 1. Zum schnellen Auffinden der wesentlichen Daten, wie es der damalige Schriftführer Hermann Cordes begründete. Das erste Protokollbuch ist vermutlich in den Kriegswirren des Jahres 1945 verloren gegangen oder verbrannt.
Dem KFV gehörten bei seiner Gründung 19 Wehren an. Vorsitzender war Feuerwehrhauptmann Wilhelm Laudahn, Uelzen. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 waren den 45 Wehren 1605 Mann beigetreten. Zwischen den Jahren 1914 bis 1920 gab es eine sechsjährige Pause, weil die Verbandstätigkeit während des Weltkrieges und der anschließend für Deutschland so verderblichen Revolutionsjahre ruhen musste. Der erste Nachkriegsverbandstag war am 15. August 1920 in Uelzen und verzeichnete 46 Wehren mit 1396 Mann.
1923, bei der Versammlung in Nettelkamp, trat der Vorsitzende Laudahn, seines leidenden Zustands wegen zurück und Johannes Kadow wurde neuer Verbandsvorsitzender. Jetzt gehörten dem KFV schon 52 Wehren mit 1823 Mann an.
Von 1924 an wurden die Delegiertentagungen meist im Februar jeden Jahres mit sog. Unterrichtskursen verbunden. Jährlich fand auch vor den Kreisfeuerwehrtagen, die wechselnd von verschiedenen Wehren ausgerichtet wurden, eine Delegiertenversammlung statt. Vorstandssitzungen wurden jeweils vor den Delegiertenversammlungen und bei sonstigen Erfordernissen abgehalten. Es folgen Auszüge aus den Protokollen über interessante Vorkommnisse und Formulierungen, die uns heute nachdenken oder auch schmunzeln lassen.
(1926) Am 15. November 1924 habe man den Antrag auf Anschaffung einer Kreis-Motorspritze beim Kreisausschuß gestellt und bereits am 15. Mai (1925) konnte diese dann eingeholt werden. Leider sei dieses Instrument ohne einen bei uns verfügbaren Lastkraftwagen nicht vollkommen, wie die Erfahrungen beim Großfeuer in Kirchweyhe bewiesen hätten, denn es ging an diesem Tage fast eine volle Stunde vorrüber, ehe ein Kraftwagen zur Beförderung der Spritze zur Verfügung stand.
- Kamerad Sander, Hohenbünstorf empfahl in Notfällen auch die Benutzung des Postautos zur Beförderung von Spritzen (als Anhänger) und Mannschaften.
- Eine Neuerung muß wegen ihrer Wichtigkeit bald eingeführt werden, nämlich eine weiße Fahne mit einem F im Felde, die sofort den Stand des Oberführers bezeichnet. Nachts wird die weiße Fahne durch eine rote Laterne ersetzt.
(1927) Von einem Mitglied des Automobil-Löschzuges wurde angeregt, daß eine Polizeiverordnung erlassen werden möge, der zufolge diesem Löschzug jedes Fahrzeug auszuweichen habe um die Schlagfertigkeit zu erhöhen.
Standfoto der Freiwilligen Feuerwehr Uelzen zum 60. Stiftungsfest 1927

- Anfrage der Freiwilligen Feuerwehr Bevensen: Welche Rechte hat der Kreisbrandmeister und wie weit gehen seine Befugnisse? Diese Frage konnte nicht zufrieden stellend beantwortet werden, weil sie zwischen Kreisbrandmeister und Landrat geregelt werden müsse. Er (der Kreisbrandmeister) müsse den Landrat fragen, auf welche Weise er schnell zum Brandplatz kommen solle, da er kein eigenes Auto besitze und die sofortige Beschaffung eines fremden Kraftwagens – besonders zur Nachtzeit - häufig auf Schwierigkeiten stoße.
Der 31. Provinzialfeuerwehrtag fand in Verbindung mit dem 60-jährigen Stiftungsfest der freiwilligen Feuerwehr in Uelzen statt. Die Feierlichkeiten dauerten drei Tage.
(1928) Vors. Kadow brachte zum Ausdruck, dass er sein Amt als Kreisbrandmeister niederlegen müsse, wenn Vorkommnisse wie bei den Wrestedter Bränden, wo man die Löschhilfe der Kreismotorspritze sehr unfreundlich aufgenommen, nicht allgemeine Mißbilligung finden würde.
(1929) Ferner machte der Landrat erneut auf die Bestimmung aufmerksam, wonach während eines Brandes die Wirtschaften zu schließen seien und alkoholische Getränke nicht verabreicht werden (müssen) dürfen.
- Schriftführer Cordes wies auf die neuen von Deutschland verlangten Opfer: Es sei völlig unmöglich, den Young-Vertrag (gemeint ist der Young-Plan, ein 1929 auf der Pariser Konferenz ausgehandelter Plan der Siegermächte zur Zahlung der deutschen Reparationen) zu erfüllen, wenn wir unsere Selbständigkeit behalten wollen. Der Redner sprach sich gegen die Kriegsschuldlüge aus.
(1930) Vorsitzender Kadow berichtet: Das verflossene Jahr sei und bleibe hoffentlich das unglücklichste Jahr für unseren Kreis in unserem Feuerlöschberufe, denn viermal wurde er viermal, einmal dreimal und zweimal zweimal an ein und dem selben Tage zum Feuer gerufen. Es hätten im Laufe des Jahres 32 Großfeuer im Kreise stattgefunden.
- Nachdem dann noch von einer Harburger Firma eine Alarmsirene vorgeführt war, wurde die neue Feuermeldeanlage im Rathaus (Uelzen) besichtigt.
- Dann legt ein Antrag vor, den kleineren Wehren zu gestatten, einmal im Jahre ein öffentliches Feuerwehrfest veranstalten zu dürfen.
(1931) Einberufen wurde die Sitzung zu dem Zweck, den ganzen Kreis Uelzen in Spritzenverbände einzuteilen, also jeder der 70 freiwilligen Feuerwehren und der 25 Pflichtfeuerwehren mit eigener Spritze genau vorzuschreiben, in welchen Orten sie unaufgefordert nachbarliche Löschhilfe zu leisten haben. Auf jeden Ort des Kreises sollen ungefähr 5 Wehren entfallen und hiermit vermieden werden, dass im Brandfalle unnötig viele Wehren erscheinen. Die Einführung der Feuerlöschverbände zog sich aber noch bis 1934 hin.
(1932) Zur Stärkung der Feuerwehr-Fachschule in Celle sind verschiedene Maßnahmen geplant, die vom Vorstand nicht gebilligt werden können. So sollen z.B. Brandprämien der Landschaftlichen Brandkasse in Zukunft nicht mehr bar, sondern in Form von Gutscheinen zum Besuch der Fachschule gewährt werden.
- Vors. Kadow stellte fest, daß in dem vergangenem Jahr 3 Wehren und zwar Vinstedt, Kl. Süstedt und die Schülerfeuerwehr der Ackerbauschule Ebstorf in unseren Verband eingetreten seien, der damit 73 Wehren mit rund 2600 Mitgliedern zähle.
- Nach Aufhebung des Festzuges (Kreisfeuerwehrtag in Bodenteich) blieben die Kameraden noch viele Stunden bei Tanz und fröhlichem Tun zusammen, wobei nicht verschwiegen werden soll, daß das wundervolle Wetter auch starken Durst erzeugte und zu kräftigen Trunk einlud.
(1933) Stellenweise wird das Eingreifen der Motorspritze noch als Eingriff in die Rechte der Feuerwehren mit Handdruckspritzen angesehen.
- Es wurde festgestellt, dass von den 10 Mitgliedern unseres Verbandsvorstandes bereits 3 eingetragene Mitglieder der NSDAP seien, weiter 2 sich zur Partei angemeldet hätten und 3 dem Stahlhelm als Mitglieder angehören, sodaß 8 Vorstandsmitglieder den heutigen Vorschriften entsprechen und lediglich 2 noch nicht national organisiert sind.
- Vors. Kam. Kadow verliest sodann die neuen Begrüßungsvorschriften des Provinzialverbandes, nach denen der Feuerwehrmann im Freien militärisch grüßt und in bedeckten Räumen ohne Kopfbedeckung die Hand zum Gruß erhebt und beim Absingen des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel- Liedes ebenfalls die rechte Hand erhebt.
- Ein völlig neues Feuerlöschgesetz für Preußen ist in Ausarbeitung. Im Ernstfall ist Feuerwehr und Luftschutz ein in jeder Beziehung militärischer Trupp. Es gilt von jetzt an das Führerprinzip. Wahlen kommen in Zukunft in Fortfall, auch wird die Altersgrenze für den aktiven Dienst auf 60 Jahre festgelegt.
- Einen sehr unliebsamen Ausgang habe die Angelegenheit Plumhoff in Rosche gefunden. Dieser habe bei einem Brand in Rosche den Kaufmann Külbs mit Gewalt zur Hilfeleistung beim Spritzen heranholen wollen und letzterer behauptet, von Plumhoff so unsanft behandelt worden sein, das er hat einen Arzt aufsuchen müssen. Durch Gerichtsverfahren sind dem Plumhoff etwa 300 Mk. Kosten entstanden. Er hat an den Provinzialverband in Celle eine Eingabe gerichtet, das er vom Kreisverband in Uelzen mangelhaft unterstützt worden sei.
Im Protokollbuch Nr. 2 ist die Durchführung eines Kreisfeuerwehrtages am 21. Juli 1934 in Oitzen (Oetzen) verzeichnet: Vor Beginn der Delegiertentagung fand eine Fußübung und Manöver der festgebenden Wehr Oitzen statt, die in allen Teilen vorzüglich war und allgemeinen Beifall fand. Beim Kreisfeuerwehrtag in Oitzen schied der Vorsitzende Kadow wegen Überschreitung der Altersgrenze aus aus und erhielt für 40jährige hervorragende Tätigkeit im Feuerlöschwesen die goldene Nadel des deutschen Feuerwehrverbandes.
- Im Auftrage des Landrats bestellte Kreisinspektor Harder alsdann den Kam. Lange, Uelzen zum Nachfolger des Kam. Kadow und damit zum neuen Kreisfeuerwehrführer.
- Redner (Kreisfeuerwehrführer Lange) legte sodann dar, dass es für jeden Führer einer Wehr darauf ankäme, sich das Vertrauen aller Mitglieder der Wehr zu erwerben. Wenn einem das nicht gelingen sollte, so könne er mit seiner Wehr im Ernstfall auch nichts Rechtes leisten und es sei dann besser, er trete freiwillig von seinem Posten zurück. - Eine besonders schmerzliche Verfügung sei die Anordnung, dass die wegen Erreichung der Altersgrenze in die Altersabteilung überführte Feuerwehrkameraden die Uniform abgeben müssen, weil man die Buntscheckigkeit der Wehren im Interesse des Ansehens des Feuerlöschwesens so schnell wie irgend möglich beseitigen wolle.
Von einem Verbot oder einer Auflösung des Kreisfeuerwehrverbandes ist in den Protokollen kein Hinweis zu finden. Bei einer „Führerversammlung" am 29.Juni 1935 vermerkt das Protokoll: Durch Bildung neuer Wehren erfasst der Verband jetzt 100 Wehren. Also wird der Kreisfeuerwehrverband noch bestanden haben. Allerdings lässt die damalige Gleichschaltung aller demokratischen Organisationen den Schluss zu, dass diese ihre Eigenständigkeit aufgeben mussten und Gliederungen der NSDAP wurden. Wie bereits geschildert, waren Wahlen in Funktions- oder Führungspositionen bereits aufgehoben. Die Posteninhaber wurden ernannt.
Für das Jahr 1935 und bis zum Jahre 1950 wurden keine Kreisfeuerwehrtage mehr durchgeführt. Hierzu sagt das Protokoll einer „Führerversammlung" vom 27. März 1935 unter Punkt 3: Provinzialfeuerwehrtag, Kreisfeuerwehrtag: Da jetzt die Vorschrift besteht, jeden Aufmarsch 8 Wochen vorher anzumelden und Tagungen mit größeren Ausmärschen, die über eine lokale Bedeutung hinausgehen, nur dann vorzunehmen, wenn die Teilnehmer völlig nach den neuen Vorschriften ausgerüstet seien, müßte vorläufig von der Veranstaltung größerer Feuerwehrtage abgesehen werden, weil die bisherige Uniformbeschaffung hierfür noch bei weitem nicht genügt.
Über das Jahr 1935 hinaus sind keine Protokolle eines Kreisfeuerwehrverbandes oder Nachfolgeorganisation bekannt. Im Jahre 1937 wurden die freiwilligen Feuerwehren aus der kommunalen Verantwortung entlassen und vom Staat übernommen. Sie wurden jetzt Exekutivorgan der Polizei. Eine Dienstverordnung mit dem Titel „Die Feuerwehr als Hilfspolizei, ihre Rechte und Pflichten" wurde herausgegeben. Aus den Chroniken verschiedener Wehren ist ersichtlich, dass 1941 die Feuerwehren in Unterkreisen zusammengefasst wurden.
Die Kreisbrandmeister von 1908 bis heute:
Wilhelm Laudahn 1908 bis 1921
Johannes Kadow 1921 bis 1934
Karl Lange 1934 bis 1947
Heinrich Behr 1947 bis 1963
Wilhelm Eggers 1963 bis 1975
Hans-Jürgen Schulz 1975 bis 1982
Friedrich Thiele 1982 bis 1994
Hans Jürgen Hildebrand 1994 bis 2009
Dieter Ruschenbusch 2009 bis heute
Erst am 26. Januar 1952, um 9 Uhr wurde der Kreisfeuerwehrverband wieder gegründet und zwar in einer Generalversammlung der Gemeindebrandmeister im Hotel Stadt Hamburg, Uelzen. Vorsitzender wurde Kreisbrandmeister Heinrich Behr, Uelzen.
Die weitere Geschichte des Kreisfeuerwehrverbandes in Zahlen:
1955 Aufstellung der Kreisfeuerwehrbereitschaft
1958 Einführung der neuen Dienstgrade (insbesondere Löschmeister)
1959 Einführung der neuen Satzung des Kreisfeuerwehrverbandes unter KBM Heinrich Behr
1963 Einrichtung der Schwer- und Stützpunktfeuerwehren
1972 Auflösung der Unterkreise, die seit 1948 bestanden
1973 erneute Änderung der Satzung unter KBM Wilhelm Eggers
1975 Gründung der Kreisfeuerwehr-Seniorenkameradschaft in Wieren
S. Marks, Matthias Vogel